Abgeordnetenwatch.de und FragdenStaat.de – interaktive Frageportale als Recherchetool

Freitag, 1. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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Digitale Medien sind fester Bestandteil für die Arbeit eines jeden Journalisten. Jenseits von Facebook und Co. gibt es viele sinnvolle, interaktive Plattformen, die bei der täglichen Recherche behilflich sein können. So zum Beispiel abgeordnetenwatch.de und FragdenStaat.de: Die beiden Frageportale ermöglichen die direkte Interaktion von Bürgern mit Politik und Verwaltung. Wie man Politikern auf die Finger und Behörden in die Aktenordner schaut, haben die Gründer der Websites erklärt.

„Bürger fragen – Politiker antworten“: So das Grundkonzept von abgeordnetenwatch.de. Die Macher der Seite sehen sich als vermittelnder Draht zwischen den beiden Akteuren. Das Ziel laut Gründer Gregor Hackmack: Mehr Transparenz schaffen und Aussagen von Politikern verbindlich machen. Denn auch Jahre später ist alles, was auf der Website veröffentlicht worden ist, noch nachlesbar. Mehr als 130.000 Fragen sind über abgeordnetenwatch.de an Politiker auf EU-, Bundes-, Landes- und Kommunalebene gestellt worden. Immerhin 106.000 wurden auch beantwortet.

Abgeordnetenwatch.de dient Journalisten darüber hinaus als Quelle für eigene Geschichten: Da wäre zum Beispiel der Skandal um Peer Steinbrücks Nebentätigkeiten. Manch einer erinnert sich: Vor zwei Jahren sorgte der SPD-Bundestagsabgeordnete für Furore, weil er sich mit hoch bezahlten Vorträgen ein beträchtliches „Taschengeld“ dazu verdiente. Bundestagsabgeordnete müssen qua Gesetz ihre Nebentätigkeiten offen legen. Das Team um Hackmack recherchierte die Zahlen und veröffentlichte sie auf seinem Blog. Zusätzlich liefert abgeordnetenwatch.de nützliche Statistiken zu Abwesenheitsquoten und Abstimmungsergebnissen.

Ganz ähnlich funktioniert FragdenStaat.de. Im Mittelpunkt stehen hier nicht die Politiker selbst, sondern der institutionelle Verwaltungsapparat. „Jeder Bürger hat nach den Informationsgesetzen das Recht, Zugang zu Informationen der öffentlichen Hand zu erhalten“, sagt Gründer Stefan Wehrmeyer. „Leider ist vielen dieses Recht gar nicht bewusst.“ Daher möchte FragdenStaat.de vor allem dabei unterstützen, auf amtliche Informationen von Bundesbehörden zuzugreifen. Dienstanweisungen, Studien, Gutachten: Alles, was über das Portal angefragt wird, stellen die Administratoren online. Auch die Antwort der Behörde machen sie auf der Internetseite öffentlich einsehbar. Außerdem hilft es, wenn man selbst Anfragen an den Staat stellen möchte. Noch ein Vorteil: Behördenanfragen über das Portal bleiben auf Wunsch anonym.

Links:

http://www.abgeordnetenwatch.de/

https://fragdenstaat.de/

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.