Der Rechtsextremismus von Nebenan

Freitag, 1. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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„Der Norden schaut hin – die Rechte Szene in Norddeutschland“. So lautet das Projekt, mit dem  der  NDR in Zusammenarbeit mit Radio Bremen und den Landesfunkhäusern zeigen will, wo rechtsextremistische Ansichten unbemerkt von der Öffentlichkeit wachsen und gedeihen.

„Warum zum Beispiel gibt es Orte ohne öffentlichen Nahverkehr, wo der einzige Bus, der die Kinder zum Sport bringt, von der NPD gestellt wird“, fragt Kathrin Becker, Redakteurin des NDR.  Zusammen mit ihrem Kollegen Olav Jacobs  hat sie das Vorhaben  ins Leben gerufen.

Ein ehrgeiziges Unterfangen, das nicht Horden von Glatzköpfen in Springerstiefel auf die Spur kommen will.  Es geht vielmehr um Hausmütterchen, die hinter Blümchengardinen Hakenkreuze klöppeln.

Den Anstoß für das Internet-Projekt gaben die Enthüllungen rund um die rechtsextremistische Terrorgruppe NSU. „Damals ist uns klar geworden: Da sind wir  schwach gewesen”,  sagt Olav Jacobs. Rechtsradikale Aktivitäten gäbe es nicht nur in Sachsen sondern auch in Norddeutschland und vor allem dort, wo sie niemand vermutet.

Die Suche im Verborgenen birgt jedoch auch  Gefahren, vor allemjuristische: Für den Titel  des Projekts durften weder Begriffe wie “rechtsextremistisch” noch “Nazi” vorkommen. Zu groß ist die Gefahr, verklagt zu werden.  „Wir müssen tierisch aufpassen. Es wird immer schwierig, wenn man dahin geht, wo die Leute nicht wollen, dass man einen Stein umdreht. Unser Hausjustiziar wird einen heißen Sommer haben“, sagt Becker.

Ab Sonnabend (2. Juni)  startet das Onlineportal des Projekts (www.ndr.de/dernordenschauthin). Es soll bereits Bekanntes dokumentiert, aber auch Neues recherchiert und aufgedeckt werden. Bis Ende November werden auf der Seite Text-, Video- und Audiobeiträge angeboten, am Ende entsteht eine etwa 90-minütige Dokumentation aus allen Filmbeiträgen.  Auf  Beschwerden von Bürgermeistern, die ihre Gemeinde nicht als Heimat von Neonazis sehen wollen,  sei man  vorbereitet, sagt Jacobs. „Da kann ich nur sagen: Was macht ihr da in Eurem Ort!“

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.