Die Suche nach dem Fallbeispiel – Protagonisten und Betroffene finden

Samstag, 2. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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“Das Geheimrezept gibt es nicht”, sagte Maja Helmer zu Beginn ihres Vortrags. Sie könne Tipps geben, jede Suche nach einem Protagonisten für eine Geschichte erfordere allerdings eine individuelle Herangehensweise: “Fleiß und Fingerspitzengefühl sind jedoch immer nötig, um jemanden zu finden.”

Ziele

  • Schnelle und effektive Suche
  • Authentische Geschichte
  • Möglichst direkter Zugang

Wo sind die Fälle?

  • Klares Profil entwickeln: Alter, Kommunikationswege, Treffpunkte, Kontaktmöglichkeiten, mögliche Vermittler, Zugänge (z. B. gemeinsame Gegner)
  • Eigeninteresse/Motive der Fälle

Klassische Recherchewege

  • Verbände und Organisationen, Verbraucherzentralen, Experten, Selbsthilfegruppen etc.
  • Oeckl
  • Systematische Internetrecherche

Vorteil:

  • Nutzung vorhandener Verteiler
  • Positiver Einfluss des Vermittlers

Vorsicht:

  • Interessen der Verbände
  • Vorausgewählte Protagonisten
  • Oft wird eine Gegenleistung erwartet
  • Massenhaftes Abtelefonieren und Massenmails bringen wenig

Maja Helmer riet: “Anrufen und mit den Leuten reden, da kommt mehr rum als bei E-Mails.” Im direkten Dialog könne der Journalist den Gesprächspartner eher für das Thema begeistern und mit Hilfe rechnen.

Persönliche Kontakte nutzen

  • Freundes- und Bekanntenkreis
  • Twitter und Facebook
  • Treffpunkte aufsuchen und Leute ansprechen
  • Undercover Jobs. Beispiel: Wer schlecht bezahlte Regaleinräumer im Supermarkt sucht, kann sich dort einstellen lassen, um die “Kollegen” direkt ansprechen zu können. “Das ist manchmal der einfachere Weg, als sich an die Gewerkschaften zu wenden”, sagte Maja Helmer.

Vorteil:

  • Direkter persönlicher Kontakt

Vorsicht:

  • Empfindlichkeiten im Freundeskreis
  • “falsche” Rücksichtnahme
  • ständige Rundmails nerven!

Presseauswertung

  • Zeitungsarchive
  • Google News

Vorteil:

  • Gute Fallbeschreibung
  • Pressefreundliche Protagonisten

Nachteil:

  • Oft keine Klarnamen
  • Kontakt nur über Redaktionen – Vorsicht!

Foren und andere Internetquellen

Vorteile:

  • Konkrete Fallgeschichten
  • Direkte, schnelle Kontaktmöglichkeit

Vorsicht:

  • Foren-Etikette: Journalisten sind oft unerwünscht
  • Bei Gesuchen den Administrator fragen
  • Feind (Gegenseite) hört oft mit!
  • Achtung: Fake-Einträge

Aktive Suche über

  • Google Ads
  • Kleinanzeigen
  • Aushänge/Handzettel

Wenn der Journalist keinen Protagonisten findet, kann der Selbstversuch eine Alternative sein. “Es ist kein vollwertiger Fall, aber man hat die Möglichkeit, die Aussagen der Fälle zu bestätigen”, so Maja Helmer.

Protagonisten-Check

  • Stimmt die Fallgeschichte? Unterlagen prüfen, eventuell schon früh die Gegenseite befragen. In manchen Fällen ist es ratsam, sich vom Protagonisten eine Befreiung vom Datengeheimnis unterzeichnen zu lassen, um bei der Gegenseite (Firma) nachfragen zu können. “Lieber vorab Ungereimtheiten klären, bevor sich hinterher herausstellt, dass eine Geschichte nicht stimmt”, riet Maja Helmer.
  • Klarname oder anonymisierte Darstellung?
  • Zuverlässigkeit (notfalls eine eidesstattliche Versicherung vom Protagonisten geben lassen)
  • Honorar? Aufwandsentschädigung? (Hier gibt es Unterschiede zwischen privaten Rundfunkanstalten und öffentlich-rechtlichen.)

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.