Gejagt

Samstag, 2. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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„Es hat sich niemand vorstellen können.“ Wieder und wieder wurde dieser Satz der in der Veranstaltung „Die NSU – Jäger“ wiederholt.
Niemand hat das Ausmaß erkannt – auch kein Journalist. Es sei eine Erschütterung und ein Prüfstein für den Journalismus gewesen, nennt Volker Steinhoff Redaktionsleiter von Panorama das. Christian Fuchs, Autor des gerade erschienenen Buches „Die Zelle“, hat viele Monate im rechtsextremen Milieu recherchiert. Er sprach für die ARD-Sendung „Panorama“ mit den Eltern von Uwe Böhnhardt, einer der mutmaßlichen Attentäter des NSU-Trios – ganz vorsichtig habe ein gegenseitiges Antasten stattgefunden. Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit seien die bestimmenden Größen gewesen. Am Anfang sei nicht über Inhaltliches gesprochen wurden, erst nach und nach habe sich herauskristallisiert, dass die Eltern gerne sprechen würden: Auch sie sahen sich als Opfer. „Newsfastfood“ nennt Fuchs die Übersättigung, die durch die Berichterstattung ü̈ber die NSU in den vergangenen Monaten bei einigen Menschen, so auch in seinem Bekanntenkreis entstanden seien, damit verbunden auch eine Angst: „Mein ganzes Leben dreht sich im Moment um Nazis, und jetzt interessiert es keinen mehr.“ 400 der 720 Akten über 28 Ermittlungen im Milieu sind momentan zugänglich. Markus Weller vom MDR-Magazin „Fakt“ hat sich die Frage gestellt, wie groß das Ausmaß ist. Es sei immer größer geworden, obgleich man von rechtsextremen Strukturen gewusst hat. Dass es rechtsfreie Räume gibt, sei kein Geheimnis gewesen, gleichzeitig wussten sie aber nicht mehr, wem man, etwa im thüringischen Verfassungsschutz, überhaupt noch trauen könne. Mit dem Standort ihrer Sendung hätten sie einen Heimvorteil gehabt, für sie sei Jena-Lobeda kein Fremdwort gewesen.

[aus "Nestbeschmutzer" 1/2012]

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.