Nota Bene // Vergissmeinnicht

Samstag, 2. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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Am Ende landet alles in der Cloud

Wer in der Cloud arbeitet, tut sich  leichter, seinen Alltag zu organisieren  und zu verwalten. Es reicht ein Programm:  Evernote.

Marco Maas hat zwei Gedächtnisse,  eines im Kopf und eines in der Cloud.  Alles, was sich der selbstständige Journalist  merken muss, wird hochgeladen.  Notizen, Visitenkarten und Rechnungsbelege,  Audio-Mitschnitte von  Interviews, Ideen und anrecherchierte  Artikel. Ab auf die Server damit, dort  werden die Daten und Dateien abgespeichert  und sind jederzeit abrufbar,  Hauptsache die Verbindung zum Internet  steht. Mit seinen zwei Gedächtnissen  macht Maas zwei Dinge: Erstens,  er macht seinen Laptop unwichtiger.

„Der Rechner muss obsolet sein, ich  muss ihn innerhalb von zwei Stunden  ersetzen können.“, sagt er. Das geht  nur, wenn die Daten von überall aus erreichbar  sind. Zweitens, der wichtigere  Punkt, er koordiniert seinen Alltag;  findet, verwaltet und kategorisiert alle  Notizen, Visitenkarten, Interviews und  so weiter, kriegt sein Leben sauber eingeteilt  in Ordner und Notizzettel. Sein  Kopf-Gedächtnis schlägt Synapsen,  um Informationen miteinander zu verknüpfen,  sein Zweitgedächtnis kriegt  Schlagworte eingetippt. Bei Maas endet  und landet alles im Zweitgedächtnis.  Es heißt Evernote und ist eine  Webseite und App. Alles, nur um eine  Frage zu beantworten: „Wie verwalte  ich mich und organisiere meinen digitalen  und analogen Lebenswandel?“  Anders: Wie behalte ich den Überblick  im Zeitalter der Reizüberflutung durch  .docs, .mpegs und .jpgs?

Bei Maas sieht das zum Beispiel so aus:  Er nimmt eine Visitenkarte, scannt sie  ein, synchronisiert seinen Scanner mit  Evernote, verpasst der Visitenkarte, die  ab jetzt immer online verfügbar sein  wird, ein paar Schlagworte, schreibt  sich auf, wer die Person ist und für welche  Artikel-Recherche sie kontaktiert  wurde – und fertig: Die Karte kann jetzt  weg, sie hat nur noch haptischen Wert.  Was bei Visitenkarten funktioniert,  klappt auch bei Interviews oder mit Fotos:  Aufnehmen, Notiz schreiben, speichern,  für immer merken.  Praktisch ist das vor allem aus einem  Grund: Weil man bei Evernote alles  speichern kann, sind die Informationen  später auch an einem einzigen Punkt  zu finden. Statt die Visitenkarte an zig  verschiedenen Orten zu suchen (im  Portmonee, im Ordner, bei all den anderen  Karten), gibt es nur eine Suche;  die im Langzeitgedächtnis Evernote.  „Das ist übersichtlicher als alles, was  wir bis dato in Sachen Papierlösungen  haben“, so Maas.

Doch Maas weiß, dass nicht nur er sich  lebenslang organisiert erinnern kann,  sondern dass seine Daten bei einem  Unternehmen liegen und somit immer  ein Bruch der Privatsphäre zu befürchten  ist. Ändern wird er seine Haltung  deswegen nicht: „Ich stehe dem kritisch  gegenüber, aber es bietet mir so  viele Vorteile, dass ich mich einfach  darauf einlasse.“, sagt er.

Wenn er Block und Stift zückt, dann  schreibt er auf speziell beschichtetes  Papier und der Stift hört und sieht alles  mit. Sobald er den Stift weglegt, hat  Maas mit dem so genannten SmartPen  nicht nur handgeschriebene Notizen,  sondern auch den dazugehörigen Ton  und das Bild. Und am Ende schickt er  alles natürlich an Evernote. Dort bleibt  es unvergesslich.

Zur Person

Marco Maas arbeitet seit 11 Jahren als  selbständiger Journalist in Hamburg.  Mit seiner Datenjournalismus-Agentur  OpenDataCity und dem Partner Lorenz  Matzat realisierte er in den letzten Monaten  mehrere datenjournalistische  Projekte, u. a. die Parteispenden-Datenbank  der taz. Seit 2009 beschäftigt  er sich mit dem Themenkomplex Open  Data/Linked Data. Er bloggt unter The  Maastrix und twittert unter @themaastrix.

[aus jk-Tagungszeitung  „nestbeschmutzer“ 1/2012]

Kommentare

  1. marco schreibt:

    2. Juni 2012 um 20:56(#)

    kleine korrektur dazu:
    “Hauptsache die Verbindung zum Internet steht.”
    das eben nicht – netz muss einmal für den upload vorhanden sein, ab da syncen sich meine sachen auf alle rechner und stehen ab diesem zeitpunkt auch offline zur verfügung.

    sonst: gut, vielen dank! ;-)

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.