Unsichtbar im Netz // Das Parallel-Netz

Samstag, 2. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
Referent(en):
Text:

Let me introduce you to the Dark Web

Wer im Internet nach Informationen sucht, verlässt sich immer mehr auf große Suchdienste. Dabei vergessen sie: Google findet nicht alles.

Auch wenn es eigentlich die Kernkompetenz des Unternehmens Google schlechthin ist: Der Suchgigant findet nicht alles, was im Internet an Informationen zur Verfügung steht. Mit dem Begriff „Deep Web“ gibt es einen  Namen für das Phänomen, das Webseiten nicht per einfacher Internetsuche gefunden werden. Dabei muss man jedoch zwei arten der Unsichtbarkeit unterscheiden. Seiten, die nicht gefunden werden können und seiten, die  nicht gefunden werden wollen. Paul Myers, Recherche-Spezialist der BBC, konzentriert sich vor allem auf Letzteres: „Dort findet man die Drogendealer, die Diebe und Auftragskiller.“

Wenn Seiten nicht gefunden werden, dann sind sie so konzipiert, dass sie nach aktuellem Stand der Technik nicht zu durchsuchen sind. Online-Bibliotheken sind hier ein gutes Beispiel. Damit man ein Buch von einem Autor finden kann, muss immer erst die Seite selbst angesurft und dort der Name des Autors, in einem zweiten Schritt also, in die Suchmaske der Datenbank eingegeben werden. eine Direktsuche per Google ist nicht möglich. auch Netzwerke wie Facebook, auf denen das eigene Profil sehr oft privat ist, können von Google nicht durchsucht werden.

Es gibt aber auch Seiten, die sich nur abrufen lassen, wenn man sich innerhalb eines Netzwerkes befindet. Gerade im arabischen Frühling war immer wieder die rede von so genannten TOR-Netzwerken. TOR steht für „The Onion Routing“; über ein komplexes System wird die Anfrage des Nutzers dabei über so viele Server geschickt, dass man am Ende nicht mehr sagen kann, woher das ursprüngliche Signal stammt. Die nutzer des TOR-netzwerkes werden dadurch weitestgehend anonym. Innerhalb dieser Netzwerke gibt es wiederum Adressen, die für Google unsichtbar bleiben, da Google keinen Einblick in das Netzwerk an sich hat. Die Nutzer fühlen sich dadurch so sicher, dass sie ganz ohne Sorge einen Drogenkurier bewerten: „tolles Produkt, exzellente ware.“

Paul Myers hingegen hat diesen Einblick. seit 1993 surft der Journalist  durch das Internet, kurz nach dem Tod von Prinzessin Diana, also 1997, nutzte er es bereits als zentrales recherchemittel  und unterrichtet heute Journalisten an der BBC Academy. In seinem Vortrag wird er erzählen, wie  Menschen sich in der Anonymität bewegen. „Ich werde sagen, wo man die anonymen Trolle finden kann, wie sie sich verstecken und was sie tun.“ Trolle, das ist Internetsprech für Nutzer, die auch auf der suche sind: sie suchen die gezielte Provokation.

Zur Person

Paul Myers ist der Spezialist für  Internet-Recherche am BBC College  of Journalism. Zu seinen Aufgaben  gehört das Training der BBC-Journalisten  und die Recherche -Beratung  bei BBC-Produktionen. Paul begann  1995 bei BBC als Rechercheur für die  Nachrichten und wechselte 1999 zur  Aus- und Weiterbildung. als früher  Verfechter von „Blended Learning“  hat er einzigartige neue Ansätze zur  Trainings- und Recherche-Methodik  entwickelt. Paul hat erfolgreich viele  technische Tools in die Welt des Journalismus  eingeführt.

Text: Hakan Tanriverdi [aus jk-Tagungszeitung „nestbeschmutzer“ 1/2012]


Kommentieren

Suche


Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.