Vierteljournalistische Projekte und Medienkritik: Niggemeier und Heinser

Samstag, 2. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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Lukas Heinser kriegt manchmal unfreundliche Emails von Journalisten. „Ich finde ja super, was sie machen. Aber jetzt wo ich dran bin, find ich es nicht mehr so super“ sei der Tenor, so der 28-Jährige. Er  leitet den BILDblog, einen „Watchblog für deutsche Medien“. Mit vier anderen Autoren deckt er Fehler und Verfehlungen von Journalisten auf. Er sieht sich nicht als Blogger – aber auch nicht als Journalist. „Ich finde diese Unterscheidung pubertär“, sagt er. Und: „Ich sitze gerne zwischen den Stühlen.“ Übernommen hat er seinen Job 2010 von dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier. Beide berichten heute auf der Recherchekonferenz über ihre Arbeit als Blogger. Journalisten, Zwischen-den-Stühlen-Sitzer oder wie man sie nennen mag.

Niggemeier hat den BILDblog 2004 gegründet: „Über Jahre hinweg habe ich mich über die BILDgeärgert.“ Er schrieb Artikel, aber irgendwann reichte das nicht mehr. So kam die Idee mit dem Blog. „Keine Ahnung, wie das geht. Aber ich probier’s mal aus“, dachte er damals. Das Ausprobieren hat sich gelohnt, der BILDblog hat heute 40 000 Leser. Zu Beginn wurden nur die Inhalte der BILD-Zeitung kritisiert, mittlerweile kümmern sich die Betreiber um alle deutschen Medien. Hat sich durch den BILDblog die BILD verändert? Niggemeier glaubt, dass das Boulevardblatt zwar nicht wesentlich seriöser ist, aber seriöser wirken will.

Trotz der vielen Leser, sei es mühsam, den Blog zu finanzieren, so Niggemeier. Auf der Seite steht zwar Werbung, alternative Verdienstmöglichkeiten wie Flattr hätten sich als Enttäuschung herausgestellt. „Die Leute vergessen das einfach“, so Heinser. Er ist auf eigentümliche Weise beim BILDblog gelandet: „Ich habe mit Anfang 20 ziemlich altkluge Kommentare unter Stefans Artikeln hinterlassen. So ist er auf mich aufmerksam geworden und ich bin da reingerutscht.“

Mittlerweile betreiben die beiden auch gemeinsame Videoblog-Projekte über den Eurovision Song Contest. Dieses Jahr berichteten sie auf dem Bakublog. „Das ist ein vierteljournalistisches Projekt“, so Niggemeier. Viel Unterhaltung, viel Spaß und ein bisschen Hintergrund zum Gastgeberland. Niggemeier war früher schon oft als Journalist beim Grand Prix. „Das ist total geisteskrank“, sagte er 2010, als er Heinser vorschlug mit ihm nach Oslo zu fahren. „Das klingt gut“, fand Heinser. Und so fuhren sie nach Oslo. Ohne Stativ und ohne Plan. Geklappt hat es trotzdem. „Wir pflegen das professionelle Amateurtum,“ sagt Niggemeier.

 

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.