Wenn Feste und Freie zusammentreffen

Montag, 4. Juni 2012 | Veranstaltung im Programm
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Die Feste zu dem Freien: “Ihnen geht es doch nur um das Geld!”  Der Freie für sich: “Ja, was denn sonst?

 In der täglichen Zusammenarbeit zwischen freien und festangestellten Journalisten gibt es oft Konflikte. Einige können beide vermeiden, wenn sie wissen, was die andere Seite denkt. Im Workshop “Warum Feste nicht zuhören und Freie nicht auf Zeile schreiben” erzählten sich Feste und Freie, was sie am anderen am meisten nervt – und was man dagegen tun kann.  

 

Was den Festen nervt

 ”Eines der größten Probleme”,  sagt David Schumacher von Capital, ist, “dass Freie das Medium nicht kennen.”  Sie wüssten nicht, was drinsteht, nicht sie wofür pitchen, und nicht die richtige Ansprechperson für ihr Thema.  

 Das zweite Problem ist für Schumacher die Länge: “Der Freie hatte keine Lust, sich zu fokussieren, und sagt mir ich solle das nehmen, was ich möchte.”
Manche machten nach Schumacher auch keine saubere Recherche. Er wünscht sich: “Nicht abschreiben, keine Eigenplagiate, bitte an die erste Quelle ran!”

Auch Interessenskonflikte sollten von Freien offenlegt werden. Denn erscheint derselbe Text noch einmal woanders, sehe es beim nächsten Mal schlecht für den Autor aus.

 Was den Freien nervt

 Benno Stieber, der freie Journalist, wünscht sich bessere Organisationsstrukturen und vernünftiges Ideenmanagement in den Redaktionen. “Die Themenabsprache mit Redakteuren ist oft schwierig”, sagt Stieber, “sie sind auch schwer zu erreichen.”

 Zudem fände er es schade, dass es keine Themenentwicklung zusammen mit Redakteuren mehr gebe. Stattdessen kämen immer mehr am grünen Tisch ausgedachte Themenvorgaben, die nicht mit der Realität übereinstimmten. Ein anderer Wunsch von ihm ist die Rücksprache über Texte, bevor diese gedruckt würden. “Beim Redigieren können sich immer Fehler einschleichen”, sagt Stieber, “aber mein Name steht am Ende über dem Text und ich muss ihn verantworten.”

 

 Worauf beide mehr achten sollten

 Schumacher von Capital hält immer Rücksprache bei Freien bei Änderungen. In der Regel mache er das per E-Mail. Benno Stieber rät Freien, bei der Rücksprache mit einem Redakteur auf die wichtigen Details zu achten, aber sich nicht bei jeder Kleinigkeit zu beschweren.

 Beide sind sich jedoch einig darüber, dass offene Fragen am besten im Vorfeld geklärt werden – wie zum Beispiel Mehrfachverwertung und Honorar. “Lieber schriftlich klären, wie hoch das Honorar ist oder ob Spesen gezahlt werden”, empfiehlt Stieber. Denn manchmal fährt der Freie zu einem Termin, aber es wird keine Geschichte daraus. “Ich mache die freien Journalisten immer vorher darauf aufmerksam, dass sie auf eigenes Risiko hinfahren”, sagt Schumacher. Wer trotzdem für seinen Aufwand entschädigt werden möchte, kann versuchen einen Stundensatz auszuhandeln. Den zahlen aber nicht alle Redaktionen. “Im Internet gibt es Tabellen, an denen man sich über die Sätze orientieren kann”, rät Stieber.
Am Ende hat David Schumacher noch einen Tipp an die Freien:  “Telefonieren hilft immer!”

 

 

 

 

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Über die Dokumentation

Die Dokumentation der Jahreskonferenz 2012 von netzwerk recherche erscheint in diesem Jahr in Form eines Blogs. Berichte, Fotos, Videos und Podcasts werden während der Konferenz zusammengetragen und eingestellt.

Erstellt wurde die Dokumentation von Studentinnen und Studenten der Deutschen Journalistenschule in München, Stipendiaten der JONA (Journalistische Nachwuchsförderung) der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Studienstipendienprogramm "Medienvielfalt, anders" der Heinrich Böll-Stiftung, Journalistik-Student/innen der Katholischen Universität Eichstätt, Volontärinnen und Volontäre aus Bremen – von den Bremer Tageszeitungen, dem Stader Tageblatt und Radio Bremen, Studenten des Studiengangs Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg.
Unterstützt wurde die Konferenzorganisation auch von Volontärinnen und Volontären des NDR und aus den WAZ-Redaktionen.